Nach dem Schnitt sollte man nicht düngen, zumindest keinen Stickstoff. Der Baum würde sofort wieder lange Triebe schieben, die keine Blüten ansetzen. Kalium und Phosphor sind unproblematisch, aber auch hier gilt: nur bei nachgewiesenem Mangel. Wichtig ist, die Schnittstellen bei dickeren Ästen mit einem scharfen Messer glatt nachzuschneiden. Gequetschte Rinde heilt schlecht und zieht Pilze an. Wunden über drei Zentimeter Durchmesser kann man dünn mit Wundverschlussmittel behandeln, muss es aber nicht – entscheidend ist ein sauberer Schnitt.
Himbeeren tragen am zweijährigen Holz. Wer das einmal verinnerlicht hat, sortiert seine Ruten anders. Einjährige und zweijährige Ruten stehen oft direkt nebeneinander, sehen auf den ersten Blick ähnlich aus und werden deshalb regelmäßig verwechselt. Wer im Frühjahr falsch schneidet, verliert die ganze Ernte eines Jahres. Die folgenden fünf Merkmale lassen sich ohne Werkzeug und ohne Fachkenntnisse direkt am Strauch prüfen.
Wer diese fünf Merkmale einmal an einem Strauch geprüft hat, erkennt den Unterschied künftig in wenigen Sekunden. Rinde, Knospen, Verzweigung, Schnittzeitpunkt und Position reichen aus, um den Ertrag jedes Jahr zu sichern.
Rinde, Knospen und Verzweigung verraten das Alter Das sicherste Merkmal ist die Rinde. Einjährige Ruten sind glatt, grün bis hellbraun und fühlen sich am Daumen kühl und weich an. Zweijährige Ruten haben eine graubraune bis graue Rinde, die sich in feinen Streifen ablöst. Reibt man mit dem Finger über die Rute, bleiben bei zweijährigen Trieben trockene Hautfetzen hängen. Bei einjährigen passiert das nicht.
Ein häufiger Fehler ist das sofortige Nachdüngen mit hohen Stickstoffgaben. Das treibt zwar Blattmasse, aber weiches, instabiles Holz, das im Winter zurückfriert. Besser ist eine zurückhaltende Versorgung mit Kompost oder einem organischen Dünger, verteilt im weiteren Umkreis des Wurzelbereichs. Ebenso falsch ist es, die neuen Triebe im ersten Jahr erneut einzukürzen. Sie müssen zunächst Blattfläche aufbauen, um die Wurzeln zu versorgen.
Ein gewisses Bluten ist also kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen dafür, dass die Rebe lebt und der Saftkreislauf in Gang kommt. Beobachten statt eingreifen lautet die Regel. Erst wenn Geruch, Farbe oder Austrittsstelle auffällig werden, ist Handeln angesagt. In normalen Jahren hört das Bluten von selbst auf, sobald die Blätter die Wasserabgabe übernehmen — meist zwei bis drei Wochen nach dem Austrieb.
Die Knospen unterscheiden sich ebenfalls deutlich. An einjährigen Ruten sitzen kleine, spitze, eng anliegende Knospen. An zweijährigen Ruten sind die Knospen größer, rundlicher und treten weiter aus dem Holz hervor, weil sich in ihnen bereits Blütenanlagen gebildet haben. Wer diese Knospen im Frühjahr abschneidet, entfernt genau die Triebe, die im Sommer Früchte tragen würden.
Wer den Schnitt einmal verpasst, muss nicht bis zum nächsten Jahr warten. Ein späterer Rückschnitt ist möglich, solange er vor dem Austrieb der neuen Blätter erfolgt. Nach dem Austrieb entfernt man nur noch erfrorene Spitzen und kranke Triebe. Der jährliche Schnitt zur Forsythienblüte hält die Rosen über viele Jahre gesund und blühfreudig.
Das Schärfen selbst folgt einer einfachen Prüfung. Eine Säge gilt als scharf, wenn sie auf einem Stück Restholz ohne Druck von selbst greift und einen sauberen Span abnimmt. Ist das nicht der Fall, wird jede Feile zur Gefahr: Ein falscher Winkel von wenigen Grad macht die Zahnung unbrauchbar. Für den Hausgebrauch reicht eine Rundfeile mit dem passenden Durchmesser zur Zahnlücke, geführt in genau dem Winkel, den der Hersteller vorgegeben hat. Nach drei bis fünf Feilzügen pro Zahn sollte die Spitze wieder fühlbar scharf sein. Wer unsicher ist, tauscht das Blatt aus, statt zu experimentieren.
Vor dem Schnitt steht die Bestandsaufnahme. Man unterscheidet drei Triebarten: starke, dunkelgrüne Basistriebe, schwächere Seitentriebe und abgestorbene oder kranke Triebe. Zuerst werden alle toten, braunen und fleckigen Triebe bis zum gesunden Holz entfernt. Ein sauberer Schnitt sitzt knapp über einem nach außen weisenden Auge, etwa fünf Millimeter darüber, und verläuft leicht schräg. Eine scharfe, desinfizierte Schere verhindert Quetschungen und überträgt keine Pilzsporen von einer Rose zur nächsten.
Ein weiteres Merkmal ist die Position am Strauch. Einjährige Ruten schieben aus dem Wurzelstock oder aus der Nähe des Bodens nach oben. Zweijährige Ruten stehen weiter außen und neigen sich mit zunehmendem Gewicht nach unten, besonders nach der Ernte. Wer unsicher ist, markiert die Ruten im Herbst mit einem farbigen Band und kontrolliert im Frühjahr die Rinde. So vermeidet man Verwechslungen dauerhaft.
Der Schnittzeitpunkt für Rosen lässt sich nicht am Kalender festmachen, sondern an der Forsythie. Sobald deren gelbe Blüten aufgehen, ist der Boden ausreichend erwärmt und die Rosen treiben verlässlich aus. Ein Schnitt zu diesem Zeitpunkt fällt in die Phase, in der die Pflanze ohnehin neue Knospen bildet. Wer stattdessen im Herbst zur Schere greift, riskiert Frostschäden an den offenen Wunden und entfernt Triebe, die als Frostschutz dienen. Die Forsythienblüte ist daher das zuverlässigere Signal als ein festes Datum.
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