Für die Seitenflächen eignet sich eine Schnur, die an beiden Enden der Hecke befestigt wird. Wer keine Schnur verwenden möchte, kann eine Schablone aus einem Brett oder einer Latte anfertigen, die den gewünschten Winkel vorgibt. Bei langen Hecken empfiehlt es sich, die Schnur alle zwei bis drei Meter zu spannen, damit sie nicht durchhängt. Nach dem Schnitt kontrolliert man die Form am besten aus einigen Metern Entfernung. So fallen Unebenheiten auf, die aus der Nähe nicht sichtbar sind.
Der häufigste Fehler ist der Schnitt zur falschen Zeit und im falschen Umfang. Wer im Herbst stark eingreift, nimmt dem Baum Reserven und öffnet Wunden vor dem Frost. Besser ist der späte Winter bis zum Austrieb, bei manchen Arten auch der Sommer. Zu viel auf einmal schadet mehr als zu wenig: Wer in einem Jahr die halbe Krone entfernt, provoziert viele Wasserschosse an den Schnittstellen. Diese senkrechten Triebe sind ein Notprogramm des Baums und verdecken später genau das Licht, das man gewinnen wollte.
Ein häufiger Fehler bei zweimal tragenden Sorten ist der Schnitt im Hochsommer, wenn noch grüne Früchte an den unteren Ruten hängen. Wer dann zur Schere greift, entfernt die zweite Ernte gleich mit. Besser ist es, den unteren, abgetragenen Teil direkt nach der Sommerernte zu entfernen und den oberen, jungen Teil unangetastet zu lassen. Ein zweiter Fehler: Zu tiefer Schnitt bei jungen Ruten. Diese brauchen ihre Knospen für die Herbsternte. Nur der alte, braune Teil wird entfernt.
Typische Fehler sind schief stehende Stäbe, eine zu lockere Schnur und das Schneiden aus nur einer Perspektive. Wer von der Seite arbeitet, sieht die Höhe verzerrt. Besser ist es, frontal zur Hecke zu stehen und die Schnur als obere Begrenzung im Blick zu behalten. Auch ein zu tiefer Schnitt an einer Stelle lässt sich später kaum ausgleichen — die Schnur verhindert das, weil sie die Höhe vorgibt.
Woran sich der Moment konkret ablesen lässt Prüfe morgens bei trockenem Wetter den Zustand der Endknospen. Streife mit dem Daumen vorsichtig über eine Knospe: Fühlt sie sich prall und klebrig an, steht der Austrieb unmittelbar bevor. Ein weiteres Zeichen ist der sogenannte Saftfluss bei Ahorn, Birke und Wein. Läuft nach einem Probenschnitt klares Wasser aus der Wunde, ist der Druck in den Leitungsbahnen hoch. Dann sollte der Schnitt auf wenige, notwendige Eingriffe beschränkt bleiben. Bei Kernobst wie Apfel und Birne ist der ideale Zeitpunkt erreicht, wenn die Knospen ihre Schuppen lockern, aber noch kein Blatt entfaltet ist.
Unabhängig vom Typ gilt: Schnittflächen sauber führen, Werkzeug vorher desinfizieren und nicht in feuchtes Holz schneiden. Kranke oder abgestorbene Ruten kommen immer zuerst weg, unabhängig von der Sorte. Wer im Zweifel ist, ob eine Rute einmal oder zweimal trägt, prüft die Farbe und den Zustand: Graubraune, rissige Ruten sind alt und gehören entfernt; frische, grüne bis hellbraune Ruten bleiben stehen. So bleibt der Bestand jung und die Ernte verlässlich.
Zweimal tragende Sorten: zwei Ernten, zwei Schnittzeitpunkte Zweimal tragende Himbeeren verlangen mehr Aufmerksamkeit. Wer beide Ernten nutzen will, lässt die Ruten über den Winter stehen und erntet im Frühsommer die unteren Früchte. Nach dieser Ernte werden die abgetragenen Ruten bodennah entfernt. Die jungen Ruten, die im selben Jahr noch gewachsen sind, tragen dann im Herbst am oberen Ende. Wer nur eine große Herbsternte möchte, schneidet im Spätwinter alles bodennah ab. Das ist einfacher, kostet aber die Sommerernte. Beide Wege funktionieren, nur nicht gemischt im selben Jahr.
Für die meisten Ziersträucher und Obstbäume liegt der günstige Moment kurz vor dem Aufbrechen der Knospen. In dieser Spanne ist die Pflanze noch in der Ruhe, reagiert aber schon auf Wunden mit verstärkter Heilung. Ein Schnitt jetzt fällt in eine Phase, in der Reservestoffe in den Trieben und Wurzeln gespeichert sind und der Austrieb nicht unnötig Kraft kostet. Wer zu früh schneidet, riskiert, dass Frost die offenen Schnittstellen schädigt. Wer zu spät schneidet, entfernt bereits ausgetriebene Blätter und schwächt die Pflanze.
Eine Leiter ist ein Werkzeug, kein Gerüst. Wer auf ihr arbeitet, verlässt sich darauf, dass sie trägt, hält und vor allem: dass der eigene Körper in einem Bereich bleibt, den die Leiter noch abdeckt. Der ausgestreckte Arm beim Schneiden ist der häufigste Grund, warum diese Abdeckung verloren geht. Sobald die Hand mit der Säge oder Astschere weiter greift, als der Stand es zulässt, verlagert sich der Schwerpunkt aus der Leiter heraus. Das ist kein Balanceproblem, das man mit Erfahrung löst, sondern ein physikalisches.
Bei einmal tragenden Sorten ist der Rückschnitt nach der Ernte im Sommer Pflicht. Die abgetragenen Ruten werden bodennah entfernt, denn sie bringen im nächsten Jahr keine Früchte mehr. Junge, kräftige Bodentriebe bleiben stehen; sie sind die Träger der nächsten Ernte. Typischer Fehler: Alle Ruten werden im Herbst gleich kurz geschnitten. Dann fehlen die einjährigen Triebe, und die Pflanze schiebt nur Blattmasse. Ein weiterer Fehler ist, zu viele Jungruten stehen zu lassen. Ein lockerer Bestand aus sechs bis acht Ruten pro Meter fördert Licht und Luft und beugt Pilzkrankheiten vor.
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