Ob eine Hortensie im Frühjahr geschnitten werden darf, hängt nicht vom Geschmack ab, sondern davon, wo sie ihre Blütenknospen anlegt. Manche Sorten schieben die Knospen bereits im Vorjahr am alten Holz aus. Wer sie im Frühjahr zurückschneidet, entfernt genau die Triebe, die im Sommer blühen sollten. Andere Sorten bilden die Knospen erst am neuen Holz, das im selben Jahr wächst. Diese darf man kräftig zurückschneiden. Die Unterscheidung entscheidet über die Blüte, nicht der Mut beim Schnitt.
Die erste Gruppe blüht bereits im zeitigen Frühjahr, oft schon im April, an den Trieben des Vorjahres. Dazu gehören vor allem die kleinblütigen, wintergrünen Arten wie Clematis alpina, Clematis macropetala und Clematis montana. Diese Pflanzen treiben im Herbst oder Winter aus und blühen, bevor der Neuaustrieb richtig loslegt. Schneidet man sie im Frühjahr stark zurück, verliert man die gesamte Blüte. Der richtige Eingriff erfolgt direkt nach der Blüte: Man lichtet die ältesten Triebe aus, kürzt überlange Ruten und entfernt nur das, was stört. Ein radikaler Rückschnitt ist hier nur nötig, wenn die Pflanze völlig verfilzt ist – dann blüht sie ein Jahr lang kaum, erholt sich aber wieder.
An einem älteren Baum lässt sich das gut in drei Schritten machen. Erst das grobe Gerüst prüfen und überzählige starke Äste entfernen. Dann das Fruchtholz ausdünnen: Ein Drittel der alten, abgetragenen Zweige kann weg, aber immer im Wechsel, damit junge Triebe nachrücken. Zum Schluss die Triebspitzen nur bei Bedarf leicht einkürzen, und zwar auf eine nach außen zeigende Knospe, nicht ins Leere. Wer jeden einjährigen Trieb auf kurze Stummel setzt, provoziert eine Vegetationslawine im nächsten Jahr und verliert abermals die Ernte.
Der Schnitt selbst: Reihenfolge, Winkel und Länge Der Schnitt erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird der Zapfen auf etwa zwei Zentimeter über der Knospe gekürzt. Der Schnitt läuft schräg von der Knospenbasis weg, damit Wasser abläuft und die Knospe nicht im Nassen steht. Danach wird der Zapfen an der Basis sauber vom mehrjährigen Holz getrennt, ohne einen Stumpf zu hinterlassen. Ein Stumpf fault, zieht Pilze an und zerstört genau die Knospe, die man erhalten wollte. Typische Fehler sind ein zu langer Zapfen, ein Schnitt direkt über der Knospe und das Stehenlassen mehrerer Augen als vermeintliche Absicherung. Wer drei Augen stehen lässt, bekommt drei Triebe, die sich gegenseitig beschatten, und am Ende trägt keiner sauber.
Langfristig produktiv bleibt eine Rebe nur, wenn man die Erneuerung plant. Der einäugige Zapfen ist kein Dauerzustand für denselben Ansatz. Nach zwei bis drei Jahren wandert der Zapfen an eine andere Stelle am Stamm oder am Kordon. Sonst entsteht eine Kahlzone, aus der kein Austrieb mehr kommt. Wer jedes Jahr am gleichen Punkt schneidet, verliert dort die Knospen und muss später mit langen, unkontrollierten Trieben reagieren. Besser ist es, von Anfang an einen zweiten Zapfen in Reserve zu halten und ihn bei Bedarf als Ersatz zu nutzen.
Eine Leitwaage, die nicht sauber justiert ist, arbeitet scheinbar korrekt und trotzdem sitzt jede Messung daneben. Der häufigste Fehler liegt nicht am Gerät selbst, sondern an der Art, wie die Justierung durchgeführt wird: Viele richten die Waage nur grob nach der Libelle aus und vergessen, dass die Krone – also der obere Abschluss oder die Abdeckung der Schneide – die eigentliche Balance bestimmt. Wer hier schludert, verschiebt den Schwerpunkt und bekommt Abweichungen, die sich über die gesamte Skala ziehen.
Pflaumen und Zwetschgen tragen am zweijährigen Holz. Wer im Winter oder zeitigen Frühjahr zu viel von den langen, einjährigen Trieben wegschneidet, entfernt genau die Knospen, aus denen im Folgejahr die Früchte kommen. Das ist der häufigste Fehler: Ein starker Rückschnitt sieht sauber aus, kostet aber die nächste Ernte. Auslichten heißt deshalb nicht kürzen, sondern gezielt das Dickicht lichten.
So wird gelichtet, ohne die Tragknospen zu opfern Zuerst werden alle kranken, abgestorbenen und nach innen wachsenden Äste entfernt. Danach folgen die Konkurrenztriebe: Zwei gleich starke Äste, die aus derselben Gabelung kommen, sind einer zu viel. Einer davon wird auf Astring geschnitten. Steil nach oben wachsende Wasserschosse kommen ganz weg, denn sie tragen kaum Früchte und verschatten das Innere. Das entscheidende Maß: Von den langen, dünnen einjährigen Trieben bleibt der größte Teil stehen. Nur wo sie sich kreuzen oder auf weniger als eine Handbreit parallel laufen, wird einer herausgenommen.
Woran man erkennt, ob neue oder alte Knospen Der Blick auf den Trieb verrät den Typ. Beim alten Holz stehen die Knospen schon im zeitigen Frühjahr als dicke, rundliche Augen an den vorjährigen Zweigen. Beim neuen Holz ist der Trieb im Frühjahr kahl oder zeigt nur kleine, flache Knospen; die dicken Blütenaugen erscheinen erst im Laufe des Austriebs. Wer unsicher ist, schneidet einen Trieb probeweise an: Sitzt eine feste, pralle Knospe direkt unter der Spitze, handelt es sich fast immer um eine Sorte, die am alten Holz blüht. Fehlt sie, darf kräftiger geschnitten werden.
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