Warum wenige Augen mehr Trauben bringen Jedes Auge kann im Austrieb einen Trieb mit Blütenständen hervorbringen. Lässt man alle stehen, verteilt die Rebe ihre Kraft auf zu viele Ziele. Die Folge sind verkümmerte Gescheine, kleine Beeren und ein dichter Blattvorhang, in dem Pilzkrankheiten ideale Bedingungen finden. Beschneidet man dagegen auf zwei bis vier Augen pro Rute, konzentriert sich die Versorgung auf wenige Triebe. Diese werden kräftiger, die Blütenstände größer und die Trauben fülliger. Die Pflanze bleibt zugleich luftig, sodass Blätter nach Regen schnell abtrocknen.
Vor dem ersten Schnitt steht der Blick in die Krone. Von unten nach oben prüfen, welche Äste sich kreuzen, welche nach innen wachsen und welche sich gegenseitig bedrängen. Diese Konkurrenztriebe kommen zuerst weg, denn sie bringen kaum Frucht und beschatten das Innere. Ein häufiger Fehler ist, mit der Säge sofort dicke Äste zu kappen. Besser ist es, zunächst nur mit der Schere zu arbeiten und das Ausmaß zu begrenzen. Pro Jahr sollten nicht mehr als etwa ein Viertel der Krone entfernt werden, sonst reagiert der Baum mit starkem Neutrieb, der wiederum kaum Blütenknospen bildet.
Nach dem Schnitt sollte man die Ranken nicht sofort waagerecht anbinden. Senkrecht geführte Triebe wachsen stark und fruchten schlechter, waagerecht gezogene bilden mehr Blütenstände und reifen gleichmäßiger. Ein bis zwei Wochen nach dem Austrieb kontrolliert man die Augen und entfernt überzählige Triebe von Hand. So bleibt die Zahl der Fruchttriebe begrenzt und die verbleibenden Trauben erhalten genug Licht. Wer diese Regel jedes Jahr anwendet, erhält eine Rebe, die regelmäßig trägt statt nur Blätter zu produzieren.
Der Schnittzeitpunkt für Rosen ist keine Geschmacksfrage, sondern entscheidet, ob die Pflanze im Sommer überhaupt blüht. Wer im Februar oder März zur Schere greift, während der Boden noch gefroren ist, riskiert, dass die frisch angeschnittenen Triebe bei einem späten Frost zurückfrieren. Die Forsythie liefert hier ein verlässliches Signal: Blüht sie auf, ist der tiefe Winter vorbei, und die Rosen treiben bald von selbst aus. Genau in diesem Fenster – zwischen Forsythienblüte und dem Austrieb der Rosen – liegt der richtige Moment für den Hauptschnitt.
Ein zweiter Fehler ist der Schnitt ohne Plan. Wer jedes Jahr an anderer Stelle kürzt, bekommt eine unruhige Krone. Besser ist es, den Baum vor dem ersten Schnitt von zwei Seiten zu betrachten, die schönsten Leitäste auszuwählen und alles andere über mehrere Jahre zu entfernen. Nach dem Schnitt sollte die Krone so offen sein, dass ein Vogel hindurchfliegen könnte. Bleibt der Blick durch das Geäst frei, stimmen Licht, Luft und Astgerüst.
Wer eine Weinrebe an der Hauswand zieht, steht jedes Frühjahr vor derselben Frage: radikal zurückschneiden oder wachsen lassen? Die Antwort entscheidet darüber, ob die Pflanze viele kleine Beeren oder wenige große Trauben ausbildet. Reben fruchten nur an einjährigen Trieben, die aus älteren Knospen austreiben. Wer diese Knospen, fachlich Augen genannt, nicht begrenzt, bekommt viel Blattmasse und kaum brauchbare Trauben. Der Schnitt im Winter ist deshalb kein Formschnitt, sondern eine Ertragssteuerung.
Eine Hecke, die oben Wellen schlägt, fällt sofort auf. Meist liegt es nicht am Strauch, sondern an der fehlenden Führung. Wer frei nach Augenmaß schneidet, verliert nach zwei Metern die Linie. Zwei Stäbe und eine straff gespannte Schnur lösen das Problem an der Wurzel: Sie geben eine sichtbare Bezugskante, an der sich die Schere entlangführen lässt. Entscheidend ist, dass die Schnur nicht durchhängt und die Stäbe wirklich senkrecht stehen.
Nach dem Schnitt bleibt ein Strauch mit etwa acht bis zwölf kräftigen Trieben stehen. Wer unsicher ist, kann im ersten Jahr nur die ältesten drei bis vier Ruten entfernen und den Rest im folgenden Jahr nachholen. Die Pflanze reagiert auf einen zu starken Eingriff mit vielen neuen Bodentrieben, die dann wieder ausgedünnt werden müssen. Ein gleichmäßiger, jährlicher Schnitt ist wirksamer als ein radikaler Eingriff alle paar Jahre. Wer das beachtet, erntet mehr und größere Beeren.
Der Rückschnitt erfolgt in der Vegetationsruhe, also zwischen Dezember und Ende Februar. Später sollte man nicht schneiden, weil die Rebe dann bereits blutet, also Saft aus den Schnittwunden austritt. Für den Hausgebrauch eignet sich der Zapfenschnitt: Man wählt pro Pflanze zwei bis vier kräftige Ruten und lässt daran jeweils zwei bis drei Augen stehen. Alle übrigen Triebe werden bis auf einen kurzen Stummel entfernt. Der Stummel dient als Reserve, falls ein Auge erfriert. Die Schnittstellen setzt man knapp über dem Auge an, ohne es zu verletzen, und schneidet schräg vom Auge weg.
Ein häufiger Fehler ist der Schnitt in altes Holz. Reben treiben aus mehrjährigen Partien nur zögerlich aus und bilden dann Triebe ohne Blütenstände. Wer die Fruchtruten jedes Jahr aus dem gleichen Bereich entnimmt, verlagert den Ertrag nach oben und außen. Besser ist es, die Ruten abwechselnd zu wählen und die Pflanze flach an der Wand zu halten. Ebenso problematisch ist ein zu später Schnitt nach dem Austrieb: Die Rebe hat bereits Kraft in Triebe gesteckt, die nun entfernt werden, und der Ertrag fällt geringer aus.
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