Le coeur perdu – Paris

Wenn Leinen fusselt: so dekatierst du es richtig

Leinen fusselt vor allem dann stark, wenn kurze Fasern während der Verarbeitung an die Oberfläche treten. Beim Dekatieren – also dem gezielten Behandeln mit Feuchtigkeit, Wärme und Druck – entscheidet sich, ob diese Fasern flach am Gewebe liegen bleiben oder als Flaum aufsteigen. Wer nur heiß bügelt und dabei über die trockene Oberfläche reibt, zieht genau die kurzen Härchen heraus, die später überall kleben. Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb: Feuchtigkeit vor Hitze, Ruhe vor Reibung.

Wie die Maschine den unsichtbaren Stich setzt Die Blindstichmaschine oder der entsprechende Stich auf einer Haushaltsmaschine arbeitet mit einer gekrümmten Nadel, die den Stoff nur an der Falz streift. Der entscheidende Punkt ist die seitliche Führung: Der Stoff wird so unter den Nähfuß gelegt, dass die umgeschlagene Kante genau an der Anschlagschiene entlangläuft. Die Nadel sticht dann abwechselnd in die Saumkante und in den dahinterliegenden Stoff, ohne auf der Außenseite durchzukommen. Bei den meisten Maschinen lässt sich die Stichbreite verstellen. Ein zu breiter Stich greift durch, ein zu schmaler hält nicht.

Ein weiteres Problem ist die Fadenspannung. Ist sie zu locker, bilden sich Schlingen auf der Sichtseite; ist sie zu stramm, zieht sich der Saum zusammen. Bei feinen Stoffen hilft ein dünnerer Faden, bei festen Geweben ein etwas stärkerer. Nach dem Nähen wird die Naht vorsichtig gebügelt, nicht gedrückt, sonst entstehen glänzende Stellen. Wer den Saum anschließend noch einmal leicht dämpft, richtet die Fasern wieder auf und lässt die Kante flach fallen. So bleibt der Blindsaum das, was er sein soll: eine saubere Kante, die man von außen kaum sieht.

Beim Testen einen neuen Faden und einen frischen Stoffrest verwenden. Ein kurzes Stück nähen, dabei die Stichlänge prüfen und beobachten, ob der Stoff gleichmäßig läuft. Tritt der Fehler nur bei einer bestimmten Geschwindigkeit auf, liegt es oft am Faden oder an der Spannung. Bleiben die Aussetzer hartnäckig, Nadel, Faden und Spule gegen geprüfte Teile tauschen. Erst wenn all das nichts bringt, ist eine Wartung der Maschine sinnvoll.

Nach dem Nähen werden die Ecken von innen mit der stumpfen Seite einer Schere ausgedrückt, damit sie spitz liegen. Anschließend die gesamte Decke auf links bügeln, die Nahtzugaben auseinanderstreichen und erst dann auf rechts wenden. Ein letzter Bügelgang über die Kanten mit Dampf glättet die Wellen, die durch das Zusammennähen entstanden sind. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt eine Decke, deren Kanten auch nach mehreren Wäschen gerade bleiben und deren Ecken nicht aufplatzen.

Erst wenn alle Falten sitzen, gerade ausgerichtet und ausgekühlt sind, wird zugeschnitten. So bleibt die Form erhalten, die Nahtzugabe verläuft parallel, und das fertige Teil hängt sauber. Wer diesen Schritt überspringt, korrigiert später an der Nähmaschine – meist vergeblich.

Enger Zickzack bedeutet nicht, dass die Stichbreite beliebig klein sein darf. Als Faustregel gilt: Die Stichbreite sollte etwa zwei bis drei Millimeter betragen, die Stichlänge höchstens einen Millimeter. Wird der Stich zu kurz, schiebt die Maschine den Stoff zusammen und die Kante wird wellig. Wird er zu breit, entsteht ein grober Rand, der das Motiv optisch erdrückt. Vor dem eigentlichen Nähen unbedingt auf einem Reststück des gleichen Stoffes testen, denn jeder Stoff reagiert anders.

Wer Leinen dauerhaft fusselarm halten will, dekatierst es nicht zu oft. Jeder Durchgang beansprucht die Fasern. Nach dem Waschen reicht ein gründliches, feuchtes Dekatieren von der linken Seite, gefolgt von ruhigem Abkühlen. So bleibt die Oberfläche geschlossen und der unerwünschte Flaum minimal.

Wenn die Maschine plötzlich Stiche auslässt, liegt das fast nie am Stoff oder am Garn allein. Meist ist eine der drei Stationen gestört: die Nadel, der Einfädelweg oder der Transport. Bevor Werkzeug zum Einsatz kommt, lohnt sich eine systematische Prüfung in genau dieser Reihenfolge. So findet sich die Ursache meist in wenigen Minuten, ohne dass die Maschine zerlegt werden muss.

Die richtige Einstellung findet man nur durch Probenähen auf einem Reststück desselben Stoffes. Zwei Lagen Stoff, dieselbe Bügelkante, dieselbe Fadenspannung. Erst wenn die Naht auf der Außenseite unsichtbar bleibt und auf der Innenseite sicher hält, geht es an das eigentliche Werkstück. Ein häufiger Fehler ist, den Stoff während des Nähens zu ziehen. Die Maschine transportiert selbst; wer nachhilft, verschiebt die Kante und erzeugt unregelmäßige Stiche. Ebenso falsch ist es, die Nadel zu tief einzustellen. Sie soll den Stoff nur an der Oberfläche erfassen, nicht durchdringen.

Ein häufiges Problem ist auch die falsche Unterlage. Auf einer rauen oder fusselnden Bügelunterlage bleiben Fasern hängen und wandern später auf das Leinen. Glatte, saubere Unterlagen aus Baumwolle oder hitzebeständigem Material sind besser geeignet. Ebenso sollte das Bügeleisen sauber sein: Rückstände auf der Sohle können sich auf dem Stoff absetzen und wie Fusseln wirken.

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