Le coeur perdu – Paris

Warum reißt der Faden, wenn Nadel und Stoff nicht zusammenpassen?

Vor dem Nähen wird die Saumzugabe vorbereitet. Zuerst bricht man die Stoffkante einmal nach links, etwa einen halben Zentimeter, und bügelt sie fest. Dann schlägt man sie ein zweites Mal um, sodass der Bruch die erste Kante vollständig verdeckt. Diese zweite Bruchkante ist später die sichtbare Saumlinie. Wichtig ist, mit der Bügeleisenspitze zu arbeiten und den Stoff nicht zu dehnen. Bei festen Webstoffen hält der Einschlag besser, bei dehnbaren Wirktstoffen rollt er sich gern auf. Dort hilft ein kurzer Fixierstich oder ein dünnes Bügelvlies, damit die Kante flach bleibt.

Für leichte, fein gewebte Stoffe wie Chiffon, Batist oder Voile eignen sich Nadeln der Stärken 60 bis 70. Der Faden sollte ebenfalls dünn sein, etwa ein Feinfaden mit 120er Stärke. Zu dicke Nadeln ziehen hier Fäden und hinterlassen auffällige Einstichlöcher, die sich nicht mehr schließen. Ein häufiger Fehler ist der Griff zur Universalgarnstärke 100 in Kombination mit einer 80er Nadel – das Ergebnis sind wellige Nähte und ein unsauberes Stichbild.

Zunächst wird der Stoff geradegezogen. Dazu legt man ihn auf einen großen Tisch und prüft, ob die Webkante parallel zur Tischkante liegt. Ist der Stoff schief, zieht man vorsichtig an einer Ecke diagonal, bis die Fäden wieder rechtwinklig zueinander stehen. Bei empfindlichen Stoffen hilft es, den Stoff vorher leicht anzufeuchten und trocknen zu lassen. Ein Blick gegen das Licht zeigt, ob Kett- und Schussfäden parallel laufen. Alternativ kann man einen einzelnen Faden am Rand herausziehen und dessen Verlauf verfolgen.

Zuerst wird die Hose auf links gedreht und der Saum vorsichtig mit einer Nahttrenner oder einer kleinen Schere abgetrennt. Dabei bleiben die Nahtlöcher sichtbar. Das ist normal und verschwindet nach dem Bügeln oder Waschen. Wichtig: Die abgetrennte Saumkante nicht wegwerfen. Sie wird später wieder angenäht. Die Hose wird nun auf die neue Länge gekürzt, wobei die Saumhöhe plus eine Nahtzugabe von etwa einem Zentimeter berücksichtigt werden muss. Wer zu knapp abschneidet, kann den Saum nicht mehr sauber ansetzen.

Einfädelweg und Fadenspannung kontrollieren Danach den kompletten Einfädelweg prüfen. Der Faden muss durch jede vorgesehene Öse laufen, in der richtigen Reihenfolge und ohne eine Station zu überspringen. Ein häufig gemachter Fehler: Die Spule wird falsch in das Gehäuse eingelegt, sodass der Faden in die falsche Richtung abläuft. Die Spulenkapsel muss sauber einrasten, und der Faden muss durch die Schlitzführung gleiten. Bei Oberfadenspannung gilt: Zu fest eingestellt, reißt der Faden oder es entstehen Fehlstiche; zu locker, bilden sich Schlingen auf der Unterseite.

Vor dem ersten Schnitt wird der Schnittmusterbogen auf den Stoff gelegt. Die Fadenlaufmarkierung auf dem Papier – meist ein Pfeil – muss parallel zur Webkante oder zur Maschenspalte ausgerichtet sein. Dafür fixiert man das Muster mit Stecknadeln oder Gewichten und kontrolliert den Abstand zur Webkante an mehreren Stellen. Ein häufig gemachter Fehler: Das Muster wird nur an einer Stelle ausgerichtet, an der anderen Seite läuft es schräg. Das führt später zu verdrehten Nähten. Wer auf Nummer sicher gehen will, misst den Abstand von der Webkante zum Pfeil an beiden Enden und vergleicht.

Bei schweren Stoffen wie Jeans, Canvas, Cord oder Kunstleder geht es nicht ohne kräftige Nadel. Stärken von 100 bis 110 sind hier Standard, der Faden darf 40er oder 30er Stärke haben. Eine zu feine Nadel verbiegt sich, erwärmt sich durch die Reibung und bricht schließlich. Das passiert besonders häufig, wenn die Nadel schon mehrere Meter durch dickes Material gezogen wurde. Ein rechtzeitiger Wechsel nach etwa acht Betriebsstunden verhindert solche Ausfälle.

Mittelgewicht braucht Kompromiss, nicht Willkür Baumwollstoffe, Leinen und normale Webware liegen im mittleren Bereich. Hier haben sich Nadelstärken von 80 bis 90 mit einem Faden der Stärke 100 bis 120 bewährt. Wichtig ist die Spitze: Für gewebte Stoffe reicht eine normale Spitze, bei gestrickten oder gewirkten Materialien ist eine Kugelspitze Pflicht, damit die Maschen nicht aufgespießt werden. Wer diese Unterscheidung ignoriert, produziert Laufmaschen schon beim ersten Stich.

Für Leder, Kunstleder und beschichtete Stoffe gilt eine eigene Regel: Nadelstärke 90 bis 110 mit einer Lederspitze, die wie ein kleines Messer schneidet statt zu durchbohren. Ein gerader Stich mit zu dünner Nadel reißt das Material ein. Zudem sollte der Faden nicht zu dünn sein, weil er sonst in den vorgestanzten Löchern Spiel bekommt und aufribbelt. Wer hier spart, zahlt mit Ausschuss.

Der Transport ist der dritte Verdächtige. Der Transporteur muss frei von Fusseln, Staub und Fadenresten sein. Unter der Stichplatte sammelt sich mit der Zeit Material an, das den Stoff nicht mehr gleichmäßig vorschiebt. Stichplatte abschrauben, Bereich mit einer Bürste reinigen und anschließend wieder korrekt montieren. Auch der Nähfußdruck spielt eine Rolle: Zu wenig Druck lässt den Stoff rutschen, zu viel Druck bremst den Transport und verursacht Stiche an derselben Stelle.

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