Erst die Deckschicht abziehen, dann den Vlies-Träger lösen Der entscheidende Schritt ist das trockene Abziehen der oberen Schicht. Setze die Spachtelklinge an einer Naht oder an einer losen Ecke an und ziehe die bedruckte Oberfläche in langen, flachen Bahnen nach unten ab. Bei mehrlagigen Tapeten kann das in zwei Durchgängen nötig sein. Erst wenn nur noch der dünne, graue oder weiße Vlies-Träger an der Wand klebt, wird dieser mit warmem Wasser eingeweicht. Ein Sprühgerät oder eine Rolle mit lauwarmem Wasser genügt; Zusätze sind meist überflüssig, können aber bei starkem Kleister helfen.
Die Höhe bestimmt die Wirkung. Ein Regal bis zur Decke schirmt vollständig ab, lässt aber Tageslicht und Luftzirkulation nur an den Seiten durch. Bleibt oben ein Zwischenraum von 30 bis 50 Zentimetern, wirkt der Raum weiterhin offen, und die Trennung bleibt trotzdem spürbar. Für Sichtschutz auf Augenhöhe reicht eine Höhe von etwa 140 bis 160 Zentimetern, wenn Sie im Sitzen nicht gesehen werden möchten. Messen Sie vorher, ab welcher Höhe die störende Sichtlinie verläuft – das ist meist die Blickachse von der Couch zum Esstisch oder zur Küchenzeile.
Schlafzimmer und Wohnzimmer eignen sich am besten für Eigenleistung. Hier gibt es meist keine Feuchtigkeit, keine Wasseranschlüsse und keine aufwendigen Elektroleitungen. Wände lassen sich streichen, Tapeten abziehen oder mit Dekorputz versehen. Vor dem Streichen muss die Wand sauber, trocken und tragfähig sein. Alte Farbreste, lose Putzstellen und Staub entfernen, dann grundieren. Wer direkt auf alten, glänzenden Lack streicht, riskiert Abblättern. Zwei dünne Anstriche halten besser als ein dicker.
Die Auflagefläche besteht aus einzelnen Latten, die quer oder längs auf dem Rahmen liegen. Querlatten sind einfacher zu montieren und lassen sich einzeln austauschen, wenn eine bricht. Schraube sie mit gleichem Abstand fest und versenke die Schraubenköpfe leicht, damit sie nicht in die Haut drücken. Ein häufiger Fehler ist, alle Latten bündig aneinanderzusetzen. Dann staut sich Wasser, und nach einem Winter ist das Holz grau und morsch. Lass die Zwischenräume bewusst offen und behandle das Holz vor dem Zusammenbau mit einer wetterfesten Lasur oder einem Öl. Behandle auch die Stirnseiten, denn dort zieht Feuchtigkeit am schnellsten ein.
Reste von Kleister und Vliesfasern lassen sich mit einem feuchten Schwamm oder einem Schaber entfernen, solange sie noch weich sind. Trocknen sie an, wird das Abschaben mühsam. Nach dem Entfernen die Wand gründlich abwaschen und trocknen lassen, bevor neu tapeziert oder gestrichen wird. Unebenheiten und Kleisterreste zeichnen sich sonst durch die neue Tapete ab. Ein Reststück alte Tapete an einer unauffälligen Stelle aufbewahren hilft, den Farbton der neuen Wand später abzugleichen.
Wer diese Schritte einhält, bekommt eine Wandstelle, die nach dem Überstreichen nicht mehr auffällt. Die häufigsten Fehler bleiben Staub im Untergrund, zu dünne Füllung in einem Arbeitsgang und fehlende Grundierung vor dem Endanstrich.
Alte Vliestapete lässt sich grundsätzlich leichter entfernen als Papiertapete, weil der Vlies-Träger nicht aufquillt und in einem Stück abgezogen werden kann. In der Praxis scheitert das aber oft an der obersten Schicht: Die Prägung oder Beschichtung ist wasserabweisend, das Wasser dringt nicht ein, und beim Ziehen reißt die Bahn in schmale Streifen. Wer zuerst die obere Schicht abnimmt und erst danach den Träger löst, spart sich die mühsame Fummelei mit dem Spachtel.
Hygroskopisch bedeutet nicht wasserdicht. Seegras quillt bei direktem Wasserkontakt auf und verliert seine Form, wenn es dauerhaft nass bleibt. Deshalb gehört an Waschbecken, Spüle und Dusche eine wasserabweisende Trennschicht zwischen Nutzfläche und Seegras. Bewährt hat sich eine offene, hinterlüftete Konstruktion: Die Front wird nicht vollflächig verklebt, sondern auf Abstandshaltern montiert. So kann Luft zirkulieren, und eindringende Feuchtigkeit verdunstet wieder. Wer Seegras direkt auf eine kalte Außenwand klebt, produziert Tauwasser im Material und damit genau den Schimmel, den er vermeiden wollte.
Typische Fehler: zu wenig Wasser, zu heißes Wasser, zu viel Druck mit dem Spachtel. Kochendes Wasser weicht manche Kleister zwar schneller auf, greift aber empfindliche Wandoberflächen an und kann bei Gipskarton die Kartonage aufweichen. Ein scharfer Spachtel hinterlässt tiefe Kratzer im Putz. Wer mit einem breiten, flexiblen Spachtel arbeitet und ihn flach ansetzt, trägt nur den Kleister ab. Bei mehreren Schichten Tapete übereinander lohnt sich ein Tapetenperforierer, der die oberste Lage anritzt, damit das Wasser überhaupt eindringen kann.
Insgesamt gilt: Wer sich auf Trockenbau, Streichen, Tapezieren und einfache Bodenbeläge beschränkt, kann viel selbst machen. Wer Elektrik, Sanitär oder Fliesen anfasst, sollte einen Fachmann holen. Der größte Fehler ist nicht das fehlende Werkzeug, sondern die falsche Reihenfolge: erst planen, dann Material prüfen, dann arbeiten. Wer ohne Plan beginnt, macht doppelte Arbeit.
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