Le coeur perdu – Paris

Wenn der Bezug verrutscht, hilft die alte Schicht als Schablone

Ein gebrochener Stab wird nicht einfach überklebt. Die Bruchstelle sauber ausrichten, dann mit einem passenden Stück Rattan von innen verstärken. Dafür den Bruch leicht öffnen, ein kurzes Stück Rattan einlegen und mit feuchtem Bindfaden umwickeln. Nach dem Trocknen zieht sich die Wicklung fest. Klebstoff nur sparsam und nur dort einsetzen, wo keine Feuchtigkeit mehr hinkommt; wasserlöslicher Holzleim quillt bei Regen auf und löst sich wieder.

Beim Aufziehen wird der Bezug zuerst an der hinteren Kante fixiert, dann an der vorderen, und erst danach an den Seiten. Wer von einer Ecke zur anderen arbeitet, zieht den Stoff schief und bekommt eine verzogene Fläche. Der Bezug wird mit leichten, gleichmäßigen Zügen über den Schaumstoff geführt, nicht mit Gewalt. Ein häufiger Fehler ist, den Stoff zu dehnen, damit er über den Kern passt. Zwei Wochen später sitzt er dann schlaff. Wer merkt, dass der Bezug zu eng ist, korrigiert lieber die Naht, statt am Schaum zu ziehen.

Schichtaufbau und Verdünnung richtig abstimmen Hartlack wird in der Regel in mehreren dünnen Schichten aufgetragen, bis die Farbe deckt. Zu dicke Schichten führen zu Läufern und einer ungleichmäßigen Oberfläche. Klarlack folgt danach in ebenfalls dünnen Schichten, oft zwei bis drei. Wichtig: Klarlack darf nicht mit Farblack verdünnt oder gemischt werden. Ein häufiger Irrtum ist, Klarlack als Ersatz für Hartlack zu verwenden, wenn die Farbe nicht exakt passt. Das funktioniert nicht, weil Klarlack keine Pigmente enthält und der Untergrund durchscheint. Umgekehrt kann Hartlack nicht als Klarlack dienen, da er die Farbe verändert und nicht transparent aushärtet.

Federn und Gurte richtig spannen Gurte werden in der Regel als Gitter verflochten, längs und quer, mit gleichmäßigem Abstand. Jeder Gurt wird mit einem Spanner straff gezogen und auf der gegenüberliegenden Seite mit Klammern oder Nagelplatten fixiert. Wer keinen Gurtspanner hat, kann mit einer Beißzange arbeiten, muss aber darauf achten, dass der Gurt nicht einschneidet. Bei Federkernen aus Stahl oder Gummifedern gilt: gebrochene Federn ersetzen, verbogene richten oder tauschen. Die Federn müssen in ihren Halterungen sitzen und dürfen nicht seitlich ausweichen. Ein häufiges Problem ist, dass nur die Gurte erneuert werden, während die Federn darunter weiterhin durchhängen. Dann hält der neue Aufbau nicht lange.

Nach dem Aufziehen wird der Sitz auf Spannungsstellen geprüft. Mit der flachen Hand über den Bezug streichen. Wo sich Wellen zeigen, wird die Klammer gelöst und der Bezug neu ausgerichtet. Erst wenn alles glatt liegt, werden die Klammern endgültig eingeschlagen. Die alte Schicht kann danach entsorgt werden, sofern keine weiteren Sitze damit bearbeitet werden. Für die nächste Reparatur lohnt es sich, ein Foto der Unterseite zu machen, bevor der Bezug abgenommen wird. Das erspart später das Rätselraten über Klammerpositionen und verhindert, dass der neue Bezug an derselben Stelle wieder durchscheuert.

Bevor mit der Reparatur begonnen wird, muss klar sein, welcher Schaden vorliegt. Ist der Kratzer nur oberflächlich im Klarlack, reicht häufig ein Polieren oder das gezielte Auftragen von Klarlack. Geht der Schaden bis auf das Blech oder den Kunststoff durch, ist ein farbiger Hartlack nötig, um die Optik wiederherzustellen. Ein typischer Fehler ist, Klarlack auf eine noch feuchte Hartlackschicht zu sprühen. Der Hartlack muss vollständig durchgetrocknet sein, sonst bindet der Klarlack nicht richtig und es entstehen Wolken oder Risse. Die Trocknungszeit hängt von Temperatur und Schichtdicke ab, liegt aber meist zwischen mehreren Stunden und einem Tag.

Ein verrutschter oder verschlissener Bezug am Stuhlsitz lässt sich in den meisten Fällen ohne Sattlerarbeit richten. Entscheidend ist, dass der alte Bezug nicht sofort entsorgt wird. Er dient als exakte Schablone für den Zuschnitt des neuen Materials und verhindert, dass Polster an den Ecken zu kurz geraten oder an den Rundungen Falten werfen. Wer den alten Bezug unbesehen wegwirft, arbeitet später mit Schätzmaßen und riskiert Passfehler, die sich nur schwer korrigieren lassen.

Vor dem Aufziehen wird der Sitz gereinigt. Staub und alte Kleberreste verhindern, dass der neue Bezug satt anliegt. Splitter im Holz werden abgeschliffen, lose Polsterfasern entfernt. Wer den Schaumstoff ersetzen will, schneidet ihn nach der alten Form zu, nicht nach Augenmaß. Ein zu dicker Schaumstoff spannt den Bezug übermäßig, ein zu dünner lässt Falten entstehen. Beim Aufziehen wird von der Mitte nach außen gearbeitet. Zuerst werden die gegenüberliegenden Seiten leicht fixiert, dann die Ecken. So verteilt sich die Spannung gleichmäßig.

Bei der Reparatur von Lackschäden stehen zwei völlig unterschiedliche Materialien zur Verfügung: Hartlack und Klarlack. Beide werden oft verwechselt, weil sie ähnlich aussehen und in derselben Dose oder Flasche kommen können. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Farbe, sondern in der Funktion. Hartlack ist ein pigmentierter Decklack, der dem Bauteil seine eigentliche Farbe gibt und gleichzeitig eine gewisse Härte und Kratzfestigkeit bietet. Klarlack hingegen ist transparent und dient als Schutzschicht über dem Farblack. Wer die beiden vertauscht, riskiert ein mattes, fleckiges oder gar abblätterndes Ergebnis.

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