Le coeur perdu – Paris

Ziergräser: Rückschnitt im Frühjahr oder Herbst?

Prüfe das Ergebnis an einem weichen Trieb, etwa an einem einjährigen Holunder- oder Weidentrieb. Gleitet die Klinge ohne Druck durch und bleibt die Schnittfläche glatt und hell, ist die Schere richtig eingestellt. Fasert die Stelle aus oder zeigt sie einen weißen Ring, ist der Winkel zu flach oder der Anpressdruck zu gering. Wiederhole das Schärfen dann mit zwei weiteren Feilzügen und justiere die Schraube nach. Eine gut gepflegte Schere hält mehrere Saisons, bevor sie ersetzt werden muss – vorausgesetzt, du schärfst rechtzeitig und nicht erst, wenn die Pflanze bereits Schaden genommen hat.

Nach dem Abtragen wird die Wunde nicht mit Wachs oder Paste verschmiert. Solche Mittel stauen Feuchtigkeit ein und fördern Fäulnis. Ein sauberer Schnitt mit erhaltener Asthalsfalte heilt von selbst. Bei sehr großen Durchmessern dauert das mehrere Jahre, doch die Überwallung wächst gleichmäßig zu. Kontrolliert man den Schnitt einige Wochen später, zeigt sich schnell, ob die Rinde sauber sitzt oder ob nachgearbeitet werden muss.

Der richtige Zeitpunkt liegt im späten Winter oder frühen Frühjahr, kurz bevor die Pflanze neu austreibt. Ein verlässliches Signal ist der Austrieb am Boden: sobald sich die ersten frischen Halme aus der Basis schieben, ist der alte Bestand entbehrlich. Je nach Region und Witterung ist das zwischen Februar und April. Wer zu früh schneidet, riskiert, dass ein später Frost die offene Basis erwischt. Wer zu spät schneidet, beschädigt die neuen Triebe, die bereits zwischen den alten Halmen stecken.

Die Armlänge ist kürzer als der Griff zum Werkzeug Viele Unfälle entstehen nicht durch zu weites Greifen, sondern durch das Festhalten am Werkzeug während des Greifens. Der ausgestreckte Arm misst vom Schultergelenk bis zur Handmitte etwa das, was man als halbe Körpergröße kennt. Entscheidend ist aber nicht die Maximallänge, sondern die Länge, bei der man das Werkzeug noch kontrolliert führen kann. Ein Schnitt mit ausgestrecktem Arm ist ein Schnitt mit einer Hand. Die zweite Hand hält nur die Leiter. Sobald die Säge klemmt oder das Material nachgibt, fehlt der Gegendruck, und der Körper folgt der Bewegung des Werkzeugs.

So wird der Rückschnitt ausgeführt, ohne das Herz zu verletzen Zuerst das Gras zusammenraffen. Am einfachsten mit einem Gummiband oder einer Schnur um den gesamten Horst, etwa eine Handbreit über dem Boden. Danach mit der Astschere oder einer scharfen Heckenschere den gesamten Bund durchtrennen. Nicht auf das Herz schneiden. Der Schnitt erfolgt etwa fünf bis zehn Zentimeter über dem Boden, je nach Art und Wuchshöhe. Bei niedrigen Sorten reichen zwei bis drei Zentimeter. Ein zu tiefer Schnitt, direkt auf das Herz, ist der zweite klassische Fehler. Das Herz ist der Vegetationspunkt, aus dem der neue Austrieb kommt. Wird es verletzt, treibt die Pflanze entweder nicht mehr aus oder bildet nur kümmerliche Halme.

Ein häufiger Fehler ist die seitliche Reichweite. Man steht korrekt zwischen den Holmen, dreht aber den Oberkörper zur Seite und schneidet außerhalb der Leiterkontur. Der Drehpunkt liegt dann nicht mehr über den Füßen, sondern neben der Leiter. Die Sprosse wird zur Kippachse. Wer seitlich arbeiten muss, stellt die Leiter nicht schräg zur Wand, sondern versetzt sie parallel zur Schnittlinie. So bleibt der Oberkörper in der Mitte und der Arm arbeitet vor dem Körper, nicht neben dem Holm.

Der richtige Zeitpunkt liegt im späten Winter oder zeitigen Frühjahr, kurz bevor der neue Austrieb sichtbar wird. Je nach Region und Witterung ist das zwischen Ende Februar und Mitte April. Ein zuverlässiges Signal: Die Basis fühlt sich beim vorsichtigen Anfassen nicht mehr eisig an, und die ersten grünen Spitzen drücken aus dem Boden. Erst dann schneiden.

Am Ende bleibt eine einfache Regel: Die Leiter wird nach dem Schnitt aufgestellt, nicht der Schnitt nach der Leiter. Wer vor dem ersten Ansatz prüft, ob beide Hände frei arbeiten können und der Oberkörper zwischen den Holmen bleibt, schneidet sicher. Wer erst beim Strecken merkt, dass es zu weit ist, hat den Fehler schon gemacht.

Nach dem Schnitt den Horst auseinanderziehen und alte, abgestorbene Halme entfernen. Das lockert die Basis und verbessert die Luftzirkulation. Bei dichten Beständen kann man den Horst zusätzlich mit einer Grabegabel anheben und etwas auflockern. Wer im Winter austreibt, sollte nicht schneiden, solange die Nächte noch deutlich unter null Grad liegen. Ein später Kälteeinbruch nach dem Schnitt ist gefährlicher als ein später Schnitt. Ist der Winter mild und trocken, kann man den Schnitt vorziehen, aber nur, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind.

Nach dem Rückschnitt gehört der Horst nicht auf den Kompost, wenn er Krankheitserreger tragen könnte. Die Halme lassen sich häckseln und als Mulch verwenden, solange sie trocken sind. Eine dünne Schicht um die Basis schützt zusätzlich vor späten Frösten. Wer diesen Rhythmus einhält, wird mit dichten, standfesten Horsten belohnt, die den ganzen Sommer über Struktur in den Garten bringen.

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