Le coeur perdu – Paris

Wer immer grundiert, verschwendet Geld und riskiert Haftung

Zunächst muss der alte Belag fest sitzen. Klopfe die Flächen systematisch mit dem Handballen oder einem Holzstiel ab. Klingt es hohl, ist der Verbund zum Untergrund bereits gestört. Solche Stellen lassen sich nicht durch Überkleben retten. Lose Fliesen müssen entfernt, der freigelegte Bereich neu gespachtelt und nach dem Trocknen mit einer Ausgleichsmasse egalisiert werden. Erst wenn der gesamte Bestand satt und ohne Hohlklang haftet, kommt ein Überkleben überhaupt in Frage.

Die Frage nach der Grundierung wird meist pauschal beantwortet: entweder immer oder nie. Beides ist falsch. Der Untergrund entscheidet, nicht die Gewohnheit. Wer das ignoriert, arbeitet entweder unnötig teuer oder riskiert, dass der gesamte Anstrich nach Monaten abblättert. Die entscheidenden Hinweise liefert der Untergrund selbst – man muss nur wissen, worauf man achtet.

Bei Reparaturstellen und unterschiedlichen Saugfähigkeiten ist eine Grundierung dagegen unverzichtbar. Ein Fleck Gips auf einer sonst gestrichenen Wand saugt anders als die Umgebung. Ohne isolierende Schicht zeichnet sich die Stelle später als matter Fleck ab – auch nach zwei Deckanstrichen. Hier eine pigmentierte Grundierung verwenden, die den Untergrund angleicht, nicht eine klare. Klare Haftgrundierung ist für feste, gleichmäßige Flächen gedacht, nicht für Flickstellen.

Zuerst wird geprüft, wo genau die Tür aufliegt. Ein Stück Pappe oder dünnes Papier unter der Tür zeigt beim Schließen die Kontaktstelle. Schleift es an der Schließkante, also gegenüber den Scharnieren, ist meist das obere Scharnier ausgeleiert. Kratzt es direkt unter den Bändern, hat sich das untere Band gesetzt. Diese Unterscheidung entscheidet über die weitere Vorgehensweise.

Zunächst die Oberfläche prüfen, nicht die Farbe. Ein Tropfen Wasser auf die gereinigte Fläche geben. Perlt er ab, ist der Untergrund wasserabweisend – Farbe wird ebenfalls schlecht haften. Zieht er innerhalb von Sekunden ein, ist die Saugfähigkeit hoch. In diesem Fall braucht es eine Grundierung, sonst entzieht der Untergrund dem Anstrich das Bindemittel, und die Deckschicht wird fleckig und dünn. Bei stark saugenden Flächen wie alten Kalkputzen oder Gipsplatten ist das der häufigste Fehler.

Eine Tür, die am Rahmen oder am Boden schleift, ist meistens kein Grund, sofort zur Hobelbank zu greifen. In vielen Fällen liegt das Problem nicht am Blatt der Tür, sondern an den Bändern, am Rahmen oder an der Feuchtigkeit im Holz. Wer zuerst nachstellt, spart sich eine Menge Arbeit und verhindert, dass eine eigentlich intakte Tür dauerhaft beschädigt wird. Das Nachstellen ist fast immer die schonendere und schnellere Lösung.

Scharniere nachstellen statt Holz abnehm

Kreidezeit und Kreidezeit-Test Ein weiterer Test: mit dem Daumen kräftig über die Fläche reiben. Bleibt Kreide oder Pulver am Finger, ist die alte Beschichtung nicht mehr tragfähig. Hier hilft keine Grundierung, sondern nur Abwaschen oder Abschleifen. Wer in diesem Zustand grundiert, klebt die Schicht nur oberflächlich fest – der nächste Anstrich zieht sie wieder ab. Umgekehrt gilt: Eine intakte, leicht glänzende Latex- oder Lackschicht braucht keine Grundierung, sondern nur eine leichte Aufrauung mit Schleifpapier, damit die neue Farbe mechanisch greift.

Ein weiterer typischer Fehler ist das Streichen in Bögen oder Kreisen. Das mag bei kleinen Flächen funktionieren, auf großen Wänden führt es zu unregelmäßiger Schichtdicke. Besser ist das Arbeiten in geraden Bahnen von oben nach unten oder von links nach rechts. Bei Ecken und Kanten lohnt es sich, zuerst mit einem Pinsel die Ränder zu streichen und dann mit der Rolle nass in nass darüberzugehen. So verschwinden Pinselspuren und es entsteht ein gleichmäßiges Bild.

Ein häufiger Fehler ist die falsche Menge. Grundierung wird dünn aufgetragen, nicht wie ein Deckanstrich. Zu viel Material bildet einen Film, der die Haftung der Folgeschicht eher mindert. Bei stark saugenden Untergründen lieber zweimal dünn als einmal dick, mit ausreichender Trockenzeit dazwischen. Die Herstellerangaben zur Überstreichzeit sind verbindlich – wer zu früh weiterarbeitet, löst die Grundierung wieder an und bekommt eine schmierige Oberfläche.

Schließlich lohnt der Blick auf den pH-Wert. Frischer Beton, Zementputz oder Kalkspatz sind alkalisch. Wer darauf ohne Sperrgrund streicht, riskiert, dass die Farbe verseift und ihre Haftung verliert. Ein Tropfen Wasser auf solchen Flächen, der sich seifig anfühlt, ist ein Warnsignal. In diesem Fall braucht es eine alkalibeständige Grundierung, keine wasserbasierte Universalgrundierung. Wer diese drei Dinge prüft – Saugfähigkeit, Tragfähigkeit, pH-Wert – entscheidet richtig und spart sich den zweiten Anstrich, der sonst nötig geworden wäre.

Praktisch läuft es so: Zuerst wird die Decke oder der obere Wandbereich in Bahnen gestrichen, dann folgt der untere Teil. Die Rolle wird in leicht überlappenden, parallelen Bahnen geführt, etwa in der Breite der Rolle. Jede neue Bahn setzt an der noch feuchten Kante der vorherigen an. Nicht hin und her schrubben, sondern gleichmäßig ziehen. Wer zu stark drückt, quetscht die Farbe heraus und erzeugt Ränder.

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