Le coeur perdu – Paris

Warum verschwinden Kieselalgen im Aquarium von selbst?

Schnecken gelangen fast immer ungefragt ins Becken – als Eier an Pflanzen, als winzige Jungtiere im Kies oder über Futterreste. Wer sie nicht aktiv einsetzt, hat schnell eine Population, die außer Kontrolle gerät. Dabei können wenige Arten echte Arbeit leisten, wenn man ihre Vermehrung bremst.

Wer aktiv reduzieren muss, kann Schnecken absammeln: Ein Stück überbrühte Zucchini oder eine Futtertablette auf einem Teller über Nacht ins Becken legen, morgens den Teller mit den Tieren entnehmen. Das ist arbeitsintensiv, aber wirkungsvoll. Fressfeinde wie Schmerlen oder bestimmte Buntbarsche fressen Schnecken, sind aber nicht in jedem Becken verträglich und lösen das Problem nicht dauerhaft. Chemische Mittel gegen Schnecken schädigen oft auch Garnelen, Krebse und Filterbakterien und sollten die Ausnahme bleiben.

Die vierte Regel betrifft die Belüftung von unten. In geschlossenen Gefäßen kann man ein Drainagerohr aus Kunststoff senkrecht durch die Kieszone bis in den Substratbereich führen. Dieses Rohr wird oben offen gelassen und mit einem groben Sieb abgedeckt. Es leitet Luft direkt in die untere Zone und verhindert, dass sich dort Gase sammeln. Ohne diese Maßnahme bleibt die Kieszone eine statische Schicht, in der Sauerstoff nur durch Diffusion eindringt. Die Diffusion reicht bei dichter Bepflanzung nicht aus.

Kurz vor der Häutung löst sich die alte Schale an den Gelenken. Die Garnele krümmt sich, drückt sich aus der Hülle und streift sie in wenigen Sekunden ab. Danach ist der neue Panzer weich und die Tiere sind empfindlich. In dieser Zeit sollten sie nicht gestört, nicht umgesetzt und nicht mit brüsken Wasserwechseln belastet werden. Ein ruhiger, gut bepflanzter Bereich mit Verstecken hilft. Nach ein bis drei Tagen härtet das neue Exoskelett aus. Die abgeworfene Hülle wird meist innerhalb weniger Stunden gefressen – das ist normal und liefert wertvolle Mineralien.

Manche Becken zeigen den braunen Belag auch später noch, etwa nach einer Filterreinigung oder einem größeren Wasserwechsel. Dann wurde die biologische Balance gestört und das Silikat hat vorübergehend freie Bahn. In solchen Fällen reicht es, den Filter nicht zu gründlich zu säubern und die Wasserwechsel in kleineren Mengen durchzuführen. Wichtig ist, nicht in Aktionismus zu verfallen. Kieselalgen sind ein vorübergehendes Phänomen, kein Dauerzustand.

Wann aus Helfern eine Plage wird Zu viele Schnecken entstehen nicht durch Vermehrung an sich, sondern durch Überfütterung. Jedes Gramm Futter, das nicht gefressen wird, ist Nahrung für Schnecken. Wer zweimal täglich großzügig füttert, züchtet sich die Population selbst heran. Ein weiterer Auslöser ist zu seltenes Absaugen des Bodengrunds: Mulm und Futterreste sammeln sich, und die Schnecken finden dauerhaft Nahrung. Auch starkes Algenwachstum durch zu viel Licht oder falsche Düngung liefert Blasenschnecken eine endlose Futterquelle.

Ein häufiger Fehler ist eine zu starke Fütterung in der Einlaufphase. Überschüssiges Futter zersetzt sich und liefert zusätzliche Nährstoffe, die das Algenwachstum begünstigen. Ebenso problematisch sind zu viele Fische auf einmal. Der Besatz sollte langsam aufgebaut werden, damit die Filterbakterien mit der Belastung Schritt halten können. Wer gleich einen vollen Besatz einsetzt, riskiert nicht nur Kieselalgen, sondern auch Ammoniak- und Nitritspitzen.

Viele Aquarianer reagieren panisch und greifen sofort zu chemischen Mitteln oder kratzen stundenlang. Beides ist meist unnötig. Wer den braunen Film einfach abwischt, entfernt nur die sichtbare Schicht, nicht die Ursache. Der Belag kommt innerhalb weniger Tage zurück, weil das Silikat weiterhin im Wasser gelöst ist. Auch ein kompletter Wasserwechsel hilft nur kurz, wenn das Nachfüllwasser erneut Silikat enthält.

Ein stabiles Gleichgewicht entsteht, wenn wenige Schnecken dauerhaft Nahrung finden, aber nicht im Überfluss. Setze sie bewusst ein, statt sie nur zu dulden: Turmdeckelschnecken für den Bodengrund, Blasenschnecken für Scheiben und Pflanzen. Kontrolliere einmal pro Woche die Futterreste und den Mulm. Wer diese zwei Dinge im Blick behält, braucht weder Absammelaktionen noch Mittel – die Putzkolonne bleibt dann genau so groß, wie sie sein soll.

Wer den braunen Film abwischt, die Beleuchtung anpasst und geduldig auf die Reifung des Beckens wartet, wird feststellen, dass die Kieselalgen nach einigen Wochen von selbst verschwinden. Chemische Mittel bekämpfen nur das Symptom und schaden oft dem empfindlichen Gleichgewicht im Aquarium. Der beste Umgang mit Kieselalgen ist deshalb: beobachten, abwischen, Ursachen minimieren und den natürlichen Prozess zulassen.

Als Putzkolonne nützlich sind vor allem Turmdeckelschnecken und Blasenschnecken. Turmdeckelschnecken durchwühlen den Bodengrund und fressen Mulm, Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile, bevor diese gammeln. Blasenschnecken sitzen auf Scheiben, Steinen und Pflanzen und raspeln Algenbeläge ab. Beide Arten sind harmlos für gesunde Fische und Garnelen; sie fressen keine lebenden Pflanzen an, solange genug anderes Futter da ist. Auch Posthornschnecken arbeiten als Resteverwerter, werden aber größer und hinterlassen sichtbare Kotspuren.

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