Le coeur perdu – Paris

4 Gründe, warum Wunden im Herbst nicht heilen wollen

Wer im Juni oder Juli zur Heckenschere greift, riskiert ein Bußgeld. Der Grund steht im Bundesnaturschutzgesetz: Zwischen dem 1. März und dem 30. September sind Hecken, Wallhecken, Gebüsche und andere Gehölze nur einem schonenden Form- und Pflegeschnitt erlaubt. Ein radikaler Rückschnitt auf den Stock – also das komplette Abschneiden bis kurz über den Boden – ist in diesem Zeitraum verboten. Das gilt auch für Bäume außerhalb des Waldes, die nicht zu den Obstbäumen zählen. Viele Hobbygärtner scheitern nicht an der Regel selbst, sondern an der Auslegung: Ein starker Rückschnitt, der die Hecke um mehr als ein Drittel reduziert, wird von Behörden schnell als unzulässiger Radikalschnitt gewertet.

Für dicke Äste gehört eine scharfe Säge mit grober Zahnung ins Werkzeug. Eine stumpfe Kette oder ein zu feines Blatt verklemmt und hinterlässt ausgefranste Kanten. Bei starkem Zuggewicht lohnt es sich, den Ast vorher mit einem Seil leicht zu sichern, damit er nicht unerwartet dreht. Wer auf einer Leiter arbeitet, sollte den Fallweg des Astes vorher freiräumen und nie unter dem Schnitt stehen.

Ein häufiger Fehler ist der späte Herbstschnitt. Viele glauben, nach dem 30. September sei alles erlaubt und schneiden Ende Oktober radikal zurück. Das ist zwar rechtlich zulässig, schadet aber den Vögeln, die in den Hecken überwintern. Besser ist es, den starken Rückschnitt auf das zeitige Frühjahr zu legen – also Ende Februar oder Anfang März, kurz vor dem Austrieb. Dann sind die Tiere noch nicht aktiv, und die Hecke erholt sich schneller. Wer im Herbst nur die Form korrigiert, tut der Hecke und der Tierwelt den größten Gefallen.

Im Sommer ist nur wenig Korrektur nötig. Der eine Trieb wird an einem Draht oder einer Stütze hochgebunden, damit er nicht abbricht. Blätter im Bereich der Traubenzone werden vorsichtig ausgedünnt, aber nicht übermäßig. Zu viel Entblätterung führt zu Sonnenbrand auf den Beeren. Der Trieb selbst darf nicht eingekürzt werden, solange er wächst, denn jede Kürzung kostet Ertrag. Erst nach der Lese oder im darauffolgenden Winter wird dieser Trieb wieder auf ein einziges Auge zurückgeschnitten. So bleibt der Stock dauerhaft in einem festen Rhythmus: ein Auge, ein Trieb, eine Ernte.

Was die Heilung im Herbst ausbremst Ein häufiger Fehler ist, eine Wunde über Wochen mit dicken Verbänden abzudecken und sie dabei zu warm zu halten. Wärme fördert die Vermehrung von Bakterien, besonders wenn die Auflage nicht regelmäßig gewechselt wird. Besser ist ein atmungsaktiver, saugfähiger Verband, der die Wunde nicht luftdicht abschließt. Ein weiterer typischer Fehler: aus Angst vor Kälte die betroffene Stelle gar nicht zu bewegen. Leichte Bewegung fördert die Durchblutung, extremes Schonen dagegen lässt das Gewebe träge werden.

Die richtige Korngröße entscheidet über den Erfolg Der häufigste Fehler ist zu grobes Material. Grobe Späne und lange Stücke verrotten langsam, entziehen dem Boden an der Oberfläche Stickstoff und bilden eine luftige Schicht, die Regen schlecht durchlässt. Eine Korngröße von ein bis drei Zentimetern hat sich bewährt. Wer keinen Häcksler besitzt, kann mit einer scharfen Astschere in kurze Stücke schneiden oder das Material mit dem Rasenmäher überfahren, wenn es dünn genug ist. Wichtig ist ein sauberer Schnitt: Gequetschte Fasern faulen statt zu verrotten.

Was der Gesetzgeber mit der Frist wirklich schützen will Die Frist schützt Vögel und andere Tiere während der Brut- und Aufzuchtzeit. In einer dichten Hecke brüten Amseln, Rotkehlchen, Meisen oder Zaunkönige. Wer im Juni kräftig zurückschneidet, zerstört Nester, tötet Jungvögel oder setzt sie schutzlos aus. Deshalb prüft man vor jedem Schnitt, ob sich in der Hecke ein Nest befindet. Ist das der Fall, wartet man, bis die Jungen flügge sind. Auch Fledermäuse oder Insekten nutzen Hecken als Rückzugsort. Der schonende Pflegeschnitt ist deshalb nicht nur erlaubt, sondern oft sogar notwendig, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Vier konkrete Punkte verdienen im Herbst besondere Aufmerksamkeit. Erstens: die Durchblutung. Wechselduschen, warme Fußbäder oder leichte Gymnastik bringen den Kreislauf in Gang, ohne die Wunde zu reizen. Zweitens: die Feuchtigkeit. Zu nasse Wunden mazerieren, zu trockene verkrusten. Eine saubere, leicht feuchte Wundumgebung ist optimal. Drittens: die Temperatur. Vermeide direkte Zugluft und lange Aufenthalte im Kalten, aber überheize die Wunde nicht. Viertens: die Ernährung. Vitamin C, Zink und ausreichend Eiweiß sind jetzt wichtiger als im Sommer, weil der Körper mehr reparieren muss.

Astschnitt fällt bei jeder Gehölzpflege an, und die meisten Hobbygärtner fahren ihn zur Deponie oder verbrennen ihn. Dabei ist das Material zu wertvoll zum Wegwerfen: Richtig zerkleinert und aufgetragen versorgt es den Boden über Jahre mit Humus, Nährstoffen und Struktur. Häckseln und Mulchen sind dabei keine einmalige Aktion, sondern ein Kreislauf, der sich mit dem vorhandenen Werkzeug und etwas Geduld aufbauen lässt.

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