Le coeur perdu – Paris

Wenn du im Spreewald radeln willst, meide die Sommerwochenenden

Ein letzter Rat betrifft die Pausen. Der Spreewald lebt von den Dörfern mit ihren Höfen und Gärten. Wer nur durchfährt, verpasst das Beste. Aber: Nicht jeder Hof ist auf Besucher eingerichtet, und nicht jede Gaststätte hat durchgehend geöffnet. Wer fest einplanen will, reserviert oder fragt vorher nach den Zeiten. Spontan geht viel, garantiert ist nichts. Wer das akzeptiert, erlebt eine Landschaft, die ihresgleichen sucht: leise, grün und voller Wasserwege, die man vom Sattel aus ganz anders wahrnimmt als vom Boot.

Beginnen wir mit dem Boot selbst. Ein Kanu oder Kajak ohne Auftriebskörper ist im Spreewald ein Risiko, weil das Wasser oft nur einen Meter tief ist und man beim Kentern leicht unter Treibholz gerät. Prüfe vor dem Ablegen, ob Paddel, Stechpaddel und Ersatzpaddel gesichert sind. Ein typischer Fehler: die Leine am Paddel nicht befestigen und dann zusehen, wie sie bei einer hektischen Wende davonschwimmt. Wasserdichte Säcke für Handy, Papiere und Wechselkleidung gehören nicht in den Rucksack, sondern in eine separate Tasche, die am Boot fixiert wird.

Viele Mythen halten sich hartnäckig. Vitamin B oder Knoblauch sollen angeblich Mücken vertreiben, dafür gibt es keine belastbaren Belege. Auch das Summen am Ohr ist kein Indikator für einen bevorstehenden Stich – Mücken orten ihre Opfer über Kohlendioxid, Körperwärme und Schweißgeruch. Wer viel schwitzt, wird häufiger gestochen, unabhängig von der Blutgruppe. Insektensprays für die Kleidung wirken besser als Sprays auf der Haut, weil sie länger halten. Elektrische Verdampfer im Zelt sind nur bei geschlossenem Raum sinnvoll, im Freien nutzlos. Kerzen und Räucherspiralen vertreiben Mücken nur im unmittelbaren Umfeld, nicht auf dem gesamten Boot.

Die erste praktische Entscheidung ist der Ausgangsort. Lübben, Lübbenau und Burg sind die üblichen Startpunkte, weil sie Bahnanschluss haben. Von dort lässt sich der Rückweg per Bahn abkürzen, wenn die Beine müde werden. Wer mit dem Auto anreist, sollte den Wagen stehen lassen und die Strecke als Rundkurs planen. Ein häufiger Fehler ist, die Entfernungen zu unterschätzen: Auf dem Damm kommt man langsamer voran als auf einer Landstraße, weil man ständig anhält, ausweicht und fotografiert. Zwanzig Kilometer fühlen sich hier an wie dreißig.

Essen und Trinken sollte man nicht dem Zufall überlassen. Bei Wind trocknet Heißes schnell aus, und Kinder trinken weniger, wenn ihnen kalt ist. Eine Thermoskanne mit warmem Tee oder Brühe wirkt Wunder. Feste, gut verpackte Snacks statt Bröselkram. Wer einkehren will, sollte vorher anrufen und fragen, ob draußen oder drinnen serviert wird – bei Wind ist der Außenbereich oft gesperrt oder ungemütlich. Ein weiterer Fehler: zu spät losfahren und dann hetzen. Bei Wind braucht jede Bewegung länger, besonders mit Kindern, Kinderwagen oder Fahrradanhänger.

Der Spreewald ist ein Feuchtgebiet, kein See. Das klingt banal, hat aber Folgen für die Planung: Die Wege führen auf schmalen Dämmen zwischen Fließen, also kleinen Kanälen, hindurch. Wer sich das wie eine Uferpromenade vorstellt, wird überrascht. Die meisten Strecken sind flach, oft geschottert oder asphaltiert, einige Abschnitte bestehen aus festgefahrenem Sand. Ein normales Tourenrad oder ein Trekkingrad reicht völlig. Ein Rennrad mit schmalen Reifen ist auf den Sandpassagen fehl am Platz.

Kleidung und Sonnenschutz richtig wählen Der Spreewald sieht idyllisch aus, aber die Sonne brennt auf dem offenen Wasser stärker als an Land. Eine Kopfbedeckung, Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor und eine leichte, langärmelige Schicht sind keine Übertreibung. Gleichzeitig gilt: Baumwolle ist falsch. Sie kühlt aus, wenn sie nass wird, und trocknet langsam. Funktionale Kleidung, die auch im nassen Zustand warm hält, ist die bessere Wahl. Für die Füße empfehlen sich Schuhe, die nass werden dürfen und trotzdem Halt geben — Badeschlappen rutschen auf den glatten Holzstegen der Einsatzstellen weg. Ein vollständiger Wechselsatz Kleidung inklusive Handtuch bleibt im wasserdichten Sack, bis er gebraucht wird.

Zur Sicherheitsausrüstung gehören außerdem eine Trillerpfeife, eine kleine Taschenlampe und ein Erste-Hilfe-Set. Wer mit Kindern unterwegs ist, bringt zusätzlich Schwimmhilfen in passender Größe mit und achtet darauf, dass sie richtig sitzen. Ein häufiger Fehler ist, die Schwimmweste zu locker zu schnallen, weil sie dann bei einem Sturz nach oben rutscht und den Kopf nicht über Wasser hält. Vor der Tour kurz testen, ob die Weste eng genug sitzt und nicht über die Schultern gezogen werden kann.

Woran erkennt man essbare Wildkräuter im Spreewald zuverlässig? Der Geruch ist oft der beste Hinweis. Bärlauch riecht stark nach Knoblauch, während die giftigen Blätter des Maiglöckchens und der Herbstzeitlosen geruchlos sind. Brunnenkresse wächst in klaren, fließenden Gräben und hat einen scharfen, kresseartigen Geschmack. Wiesenkerbel erkennst du an der behaarten Blattunterseite und dem typischen Doldenblütenstand. Verwechsle ihn nicht mit dem Gefleckten Schierling, dessen Stängel rote Flecken hat und der tödlich giftig ist. Ein sicheres Merkmal: Schierling riecht unangenehm nach Maus, Kerbel aromatisch nach Petersilie. Reibe ein Blatt zwischen den Fingern und prüfe den Geruch, bevor du erntest.

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