Manche Kindel hängen noch am Muttertrieb und haben bereits kräftige Luftwurzeln. Diese kann man direkt in einen kleinen Topf mit feuchter Erde setzen, ohne sie vorher abzuschneiden. Die Verbindung zum Muttertrieb bleibt bestehen, bis die neue Pflanze eigenständig Wurzeln gebildet hat. Das ist besonders schonend und eignet sich gut, wenn man unsicher ist, ob der Ableger genug Kraft hat.
Mit dem Schaber wird nicht geschabt, sondern gehebelt. Man setzt die Kante flach unter den Schild und hebt ihn in einer kurzen Bewegung ab. Bei dichten Kolonien arbeitet man in Streifen von unten nach oben, damit abgelöste Tiere nicht auf bereits gesäuberte Flächen fallen. Zwischen den Streifen lässt man immer einen schmalen Rindenstreifen stehen, der nicht berührt wird. Die Bürste kommt nur dort zum Einsatz, wo Schilder in Ritzen sitzen: mit kreisenden Bewegungen und leichtem Druck. Nach jeweils wenigen Zentimetern wird das Werkzeug in lauwarmem Wasser abgespült, damit kein Honigtau zurückbleibt und die Borsten nicht verkleben.
Die Pflanze selbst sendet zusätzliche Warnsignale. Neue Blätter bleiben klein, alte vergilben von unten nach oben, Blütenknospen fallen ab oder die gesamte Pflanze wirkt trotz guter Pflege schlaff. Bei manchen Arten kippt der Topf leicht um, weil der obere Teil schwerer geworden ist als der Wurzelbereich. Wer jetzt nur düngt, verschlimmert die Lage: Salz sammelt sich an, die wenigen Wurzeln verbrennen.
Licht, Temperatur und die Sache mit dem Umtopf
Mit etwas Übung entwickelt man ein Gefühl für den eigenen Bestand. Tägliches kurzes Prüfen mit dem Finger oder ein Blick auf die Blätter reicht aus, um den richtigen Zeitpunkt zu finden. Ein Gießplan kann eine grobe Orientierung sein, aber die Entscheidung sollte immer der Boden treffen. So bleiben Pflanzen gesund, und Staunässe oder Trockenheit haben keine Chance.
Nach etwa drei bis vier Wochen zeigen sich neue Blätter – ein Zeichen, dass der Ableger angewachsen ist. Jetzt kann man die Wassergaben etwas reduzieren und die Pflanze langsam an normale Zimmerbedingungen gewöhnen. Gedüngt wird erst nach acht Wochen mit stark verdünntem Flüssigdünger. Ein häufiger Fehler ist zu frühes Düngen: Die jungen Wurzeln verbrennen, die Pflanze kümmert. Auch Zugluft und kalte Fensterbänke im Winter verzögern das Wachstum. Bei richtiger Pflege entwickelt sich aus einem unscheinbaren Kindel innerhalb eines Jahres eine kräftige, dekorative Grünlilie.
Der richtige Zeitpunkt und das Abtrennen Die Kindel lassen sich das ganze Jahr über abnehmen, am besten gedeihen sie jedoch im Frühjahr oder Frühsommer, wenn die Pflanze ohnehin kräftig wächst. Ein Kindel ist bereit, wenn es mindestens vier bis sechs eigene Blätter und erste kleine Wurzeln an der Basis zeigt. Zum Abtrennen verwendet man eine saubere, scharfe Schere oder ein Messer. Desinfizieren Sie die Klinge vorher mit Alkohol, um Pilzinfektionen zu vermeiden. Schneiden Sie den Verbindungstrieb etwa zwei bis drei Zentimeter vom Kindel entfernt durch. Ein zu kurzer Stiel macht das Einpflanzen schwierig, ein zu langer fault leicht im Substrat.
Nach dem Einpflanzen wird mäßig angegossen. Die Erde sollte feucht, aber nicht nass sein. In den ersten zwei Wochen hält man das Substrat leicht feucht und stellt den Topf an einen hellen, warmen Platz ohne direkte Mittagssonne. Staunässe ist der häufigste Fehler: Untersetzer nach dem Gießen immer leeren. Wer den Ableger in Wasser bewurzeln möchte, kann das tun, doch die Wurzeln werden spröde und brechen beim Einpflanzen leicht ab. Besser ist die direkte Kultur in Erde.
Grünlilien (Chlorophytum comosum) bilden an ihren langen Blütentrieben kleine Tochterpflanzen, sogenannte Kindel. Diese Kindel sind bereits vollständige Miniaturpflanzen mit eigenen Blättern und oft schon ersten Luftwurzeln. Wer eine neue Pflanze heranziehen möchte, muss keine Samen kaufen und keine teuren Jungpflanzen bestellen. Die Vermehrung über Ableger ist der einfachste Weg – vorausgesetzt, man beachtet ein paar Details, damit die jungen Pflanzen nicht faulen oder vertrocknen.
Für das Einpflanzen eignet sich lockere, durchlässige Zimmerpflanzenerde. Ein zu torfhaltiges oder stark gedüngtes Substrat schadet den empfindlichen Wurzeln. Mischen Sie die Erde am besten mit etwas Perlite oder grobem Sand, damit überschüssiges Wasser abfließen kann. Der Topf sollte nur wenig größer sein als der Wurzelballen des Kindels – ein zu großer Topf fördert Staunässe und Wurzelfäule. Setzen Sie den Ableger so tief, dass die Wurzelansätze gerade bedeckt sind. Die Blätter dürfen nicht mit Erde in Berührung kommen, sonst faulen sie.
Bei Befall hilft es, die Pflanzen zunächst lauwarm abzuduschen, vor allem die Blattunterseiten, und danach für feuchte Luft zu sorgen. Trockene, stickige Wärme begünstigt die Vermehrung. Befallene Blätter und Triebe werden konsequent entfernt, nicht auf den Boden gelegt. Nützlinge wie Raubmilben wirken nur, wenn sie rechtzeitig und in ausreichender Zahl eingesetzt werden und die Luftfeuchtigkeit stimmt. Wer nur die Oberseite besprüht oder die Pflanze in der prallen Sonne abspült, riskiert Blattschäden und übersieht weiterhin die eigentlichen Verstecke.
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