Le coeur perdu – Paris

Warum verzeihen Hasel und Weide den Radikalschnitt?

Für den regelmäßigen Formschnitt genügt es, die Triebe um wenige Zentimeter einzukürzen. So bleibt die grüne Zone erhalten und die Hecke behält ihre dichte Struktur. Wichtig ist ein sauberes, scharfes Werkzeug, um Quetschungen zu vermeiden. Nach dem Schnitt sollte die Pflanze ausreichend gewässert werden, damit sie den Stress besser verkraftet. Wer diese Grenze zwischen jungen Trieben und altem Holz respektiert, wird lange Freude an einer gesunden, formstabilen Thuja haben.

Der dritte Schnitt ist der eigentliche Feinschnitt. Er entfernt den verbliebenen Stummel bis kurz vor dem Stamm, ohne den Astring zu verletzen. Hier arbeitet man von unten nach oben oder seitlich, je nachdem, wie der Stummel steht. Ein häufiger Fehler ist, den Stummel bündig mit dem Stamm abzusägen. Der Astring und die umgebende Wulst sind das einzige Gewebe, das die Wunde schnell überwallt – schneidet man sie weg, bleibt eine offene Fläche, die Jahre braucht, um zu verheilen.

Der zweite Schnitt trennt das Gewicht ab Der zweite Schnitt erfolgt von oben, einige Zentimeter weiter außen als die Kerbe. Beim Sägen trifft die Schnittlinie auf den ersten Einschnitt, der Ast knickt sauber ab und fällt kontrolliert zu Boden. Wichtig ist der Abstand: Schneidet man zu nah an der Kerbe, verkeilt sich das Blatt, schneidet man zu weit außen, bleibt ein unhandlicher Stummel stehen. Als Faustregel gilt, dass die Kerbe etwa ein Drittel des Astdurchmessers tief sein sollte und der zweite Schnitt deutlich außerhalb davon liegt.

Ein tragfähiger Ast ist nicht der längste, sondern der stabilste. Junge Bäume brauchen ein Gerüst aus drei bis fünf Leitästen, die in verschiedene Richtungen zeigen und in flachem Winkel vom Stamm abgehen. Steile Triebe wachsen stark nach oben, tragen aber schlecht und brechen unter Last leicht aus. Solche Konkurrenztriebe werden entfernt, solange sie noch dünn sind. Ein zu steil stehender Ast lässt sich oft durch Herunterbinden in eine flachere Position bringen, statt ihn sofort zu opfern.

Typische Fehler sind der Schnitt im Sommer, der die Pflanze schwächt und Vögel stört, sowie das Zurücksetzen von Nadelgehölzen wie Fichte, Kiefer oder Thuja. Diese Arten treiben aus altem Holz kaum oder gar nicht wieder aus und bleiben nach einem Radikalschnitt dauerhaft kahl. Auch Obstbäume auf schwach wachsenden Unterlagen verzeihen den Stock nicht; sie bilden zwar Wasserschosse, aber keine tragbare Krone mehr. Ein weiterer Fehler ist das Belassen langer Stummel, die nicht mehr austreiben und absterben.

Der häufigste Fehler ist der Schnitt zur falschen Zeit und im falschen Umfang. Wer im Herbst stark eingreift, nimmt dem Baum Reserven und öffnet Wunden vor dem Frost. Besser ist der späte Winter bis zum Austrieb, bei manchen Arten auch der Sommer. Zu viel auf einmal schadet mehr als zu wenig: Wer in einem Jahr die halbe Krone entfernt, provoziert viele Wasserschosse an den Schnittstellen. Diese senkrechten Triebe sind ein Notprogramm des Baums und verdecken später genau das Licht, das man gewinnen wollte.

So wird der Schnitt fachgerecht ausgeführt Der beste Zeitraum liegt zwischen Ende Oktober und Anfang März, außerhalb der Brutzeit der Vögel. Der Schnitt erfolgt auf 10 bis 20 Zentimeter über dem Boden, bei starken Stämmen auf 30 bis 40 Zentimeter. Ein leichter Schrägschnitt nach außen verhindert, dass Regenwasser auf der Schnittfläche steht und Fäulnis entsteht. Bei mehrstämmigen Gehölzen werden nicht alle Triebe in einem Jahr entfernt; ein zweijähriger Rhythmus mit der Hälfte der Stämme erhält die Pflanze und liefert trotzdem Licht und Raum.

So wird der Schnitt konkret ausgefüh

Der erste Schnitt sitzt auf der Unterseite des Astes, etwa eine Handbreit vom Stamm entfernt. Die Säge wird von unten nach oben geführt, bis sie klemmt. Tiefe spielt hier keine Rolle – es geht nur darum, eine Kerbe zu schaffen, die später den Bruch kontrolliert. Schneidet man stattdessen zuerst von oben, klappt der Ast beim Durchtrennen nach unten und reißt die Rinde in voller Länge auf. Die Kerbe von unten nimmt diesen Zug vorweg und bricht genau dort, wo sie sitzt.

Nach dem Abtragen bleibt eine Wunde, die nicht gestrichen werden muss. Alte Wundverschlussmittel behindern die natürliche Heilung eher, als sie zu fördern. Entscheidend ist, dass der Schnitt sauber und die Rinde am Stamm unverletzt ist. Wer die drei Schnitte beherrscht, trägt auch dicke Äste sicher ab, ohne den Baum dauerhaft zu schädigen.

Vor dem Eingriff lohnt sich ein Blick auf den Zustand des Wurzelraums. Verdichtete, staunasse oder völlig ausgetrocknete Böden schwächen die Regeneration. Wer auf den Stock setzt, sollte danach zwei bis drei Jahre auf einen kräftigen Neuaustrieb warten und in dieser Zeit nicht zusätzlich stark düngen. Zu viel Stickstoff fördert weiche, krankheitsanfällige Triebe. Wer diese Punkte beachtet, kann mit dem Radikalschnitt alte Gehölze über Jahrzehnte gesund und vital halten.

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